Die Geschichte der Maharani
Als sich das Ende der Kolonialherrschaft 1947 abzeichnete, wurden die zahlreichen Vasallen-Fürstentümer vom britisch-indischen Vizekönig aufgefordert, sich zu entscheiden, ob sie dem zukünftigen Pakistan oder Indien beitreten möchten. Während in der von Vizekönig Lord Mountbatten gesetzten Frist von zwei Monaten 564 Fürstentümer ihre Entscheidung trafen, ließ Maharaja Hari Singh, der Herrscher von Kaschmir, die Frist verstreichen und erklärte seine Unabhängigkeit.
Das Fürstentum Jammu & Kashmir, das sowohl an Indien als auch an Pakistan grenzte, und in dem ein Hindu-Maharaja über eine mehrheitlich muslimische Bevölkerung regierte, war für beide Seiten von erheblicher Bedeutung. Ihrer Staatsidee entsprechend betrachtete die Pakistan-Bewegung unter Muhammad Ali Jinnah die Bergregion mit ihrer mehrheitlich muslimischen Bevölkerung von Beginn an als festen Bestandteil des zukünftigen Staates. Für Indien waren strategische und sicher auch emotionale Beweggründe ausschlaggebend: So lagen z.B. die Wurzeln der Familie des indischen Premierministers Pandit Jawaharlal Nehru lagen in Kashmir.
Im August und September 1947 begann im Distrikt Poonch ein Aufstand gegen Maharaja Hari Singh. Durch eine Kooperation zwischen den Aufständischen, muslimischen Soldaten der Armee des Maharajas und den von Pakistan unterstützten pathanischen Kriegern aus dem pakistanisch-afghanischen Grenzgebieten drohte ab Oktober, die Situation zu Ungunsten Hari Singhs zu kippen. Dies veranlasste den Hindu-Monarchen zu reagieren. Kurz vor der Einnahme Srinagars durch die Rebellen wandte er sich mit der Bitte um militärische Unterstützung an Indien. Indien gewährte die angeforderte Hilfe angeblich, nachdem Kashmir seinen Anschluss an die Indische Union erklärt hatte. Der genaue zeitliche Ablauf ist bis heute umstritten. Am 27. Oktober 1947 begann der Lufttransport von indischen Truppen nach Srinagar und damit der Beginn des ersten indisch-pakistanischen Kriegs. Erst am 1. Januar 1949 kam es zu einem Waffenstillstand unter der Aufsicht der Vereinten Nationen und der De-facto-Zweiteilung Kashmirs in das pakistanische "Azad" Kashmir und die Northern Areas und den indischen Bundesstaat Jammu & Kashmir. Die damalige Waffenstillstandlinie (Line of Control - LoC) bildet auch noch heute die Grenze zwischen den von beiden Ländern kontrollierten Teilen Kashmirs.
Am 26. Januar 1950 trat die indische Verfassung in Kraft. Artikel 370 bezeichnet Jammu & Kashmir als Teil Indiens und räumte der Region Sonderrechte ein. Seit dieser Zeit ist die Zugehörigkeit des indischen Teils von Kashmir immer wieder Anlass für politische und militärische Auseinandersetzungen zwischen Indien und Pakistan.
In der ersten Wahl von 1951 gewann die Regionalpartei National Conference unter Führung Sheikh Abdullahs alle 75 Sitze der verfassungsgebenden Versammlung von Jammu & Kashmir. Erst 1952 wurde mit dem Delhi Agreement zwischen Sheikh Abdullah und Nehru offiziell die Erbmonarchie abgeschafft. Schon davor gelang Abdullah eine tief greifende Landreform. Er erhielt zudem die Zusage von Premierminister Nehru für das 1948 durch die UNO vorgeschlagene Referendum. Mit ihm sollte die Bevölkerung über den zukünftigen Verbleib Kashmirs entscheiden.
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