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Doch nur kurz darauf installierte New Delhi eine "Marionetten-Regierung". Die Zentralregierung brachte Bakshi Gulam Muhammad 1953 an die Spitze der National Conference und ließ Sheikh Abdullah verhaften. Doch erwies sich die NC – wie Parteien in Südasien so häufig – als sehr personenorientiert. Vom Gefängnis aus organisierte Sheikh Abdullah, der "Löwe von Kashmir" (Urdu: Sher-e-Kashmir), maßgeblich den Widerstand: 1955 gründete er die parteiübergreifende Plebiszit-Front als oppositionelle Gegenbewegung zur Politik der Zentralregierung, die Jammu & Kashmir mittlerweile ihrer direkten Verwaltung unterstellt hatte. So gab er trotz seiner Inhaftierung mit kurzen Pausen (1958 und 64-65) bis zu seiner endgültigen Freilassung 1975 den Ton der oppositionellen kashmirischen Politik maßgeblich an.

1962 kam es zwischen China und Indien zum Krieg. Infolge der Kampfhandlungen in Ladakh starben einigen tausend Menschen. Den 1965 im Rahmen der pakistanischen Armee-Operation "Gibraltar" ins indisch kontrollierte Kashmirtal 3.000 eingeschleusten Guerilla-Kämpfern gelangt es nicht, mit ihren Sprengstoffanschlägen und Schießereien einen Aufstand der Bevölkerung gegen Indien mobilisieren. Im Laufe der Kampfhandlunge kam es auch um die Region nahe der Stadt Kargil zu schweren Auseinandersetzungen. Als daraufhin im August 1965 in der "Operation Malta" reguläre pakistanische Armeeverbände aus "Azad" Kashmir und später auch weiter südlich Indien angriffen begann der zweite offizielle Krieg zwischen den Nachbarländern. Erst durch die Boykottierung des militärischen Nachschubs durch Großbritannien und die USA erlahmten die

Kriegsoperationen, und es kam im September zum Waffenstillstand. Die Friedenskonferenz vom 3. bis 10. Januar 1966 in Taschkent brachte außer dem Truppenrückzug hinter die Waffenstillstandslinie von 1949 keine Lösung des Problems um die Region. Dem erneuten Krieg zwischen Indien und Pakistan von 1971, bei der sich der ehemalige, folgte die Konferenz von Shimla. Auf dieser Konferenz rang die indische Premierministerin Indira Gandhi dem damaligen pakistanischen Außenminister Zulfiqar Ali Bhutto, neben dem Friedensvertrag und der Selbstbestimmung Bangladeshs auch die Verzichtserklärung auf ein Referendum der Kashmiris sowie eine Festlegung der Waffenstillstandslinie als zwischenstaatliche Grenze ab. Pakistan widerrief diese beiden letzten Punkte zwar im Nachhinein, doch hatte New Delhi mit dem Shimla-Abkommen von 1972 einen entscheidenden Vorteil für den Machtkampf um Jammu & Kashmir erhalten. Nachdem der Kongress sich die Macht in Jammu & Kashmir jahrelang durch manipulierte Wahlen (1967 und 1972) gesichert hatte, wurden mit dem Ende von Indira Gandhis Notstandsregime 1977 auch in Kashmir freie Wahlen abgehalten. Bei ihnen errang die National Conference eine große Mehrheit. Sheikh Abdullah, der zu seiner Freilassung 1975 den Verzicht auf das Referendum (Delhi Accord) anerkannt hatte, wurde Premierminister. Nach seinem Tod 1982 folgte ihm sein Sohn Farooq Abdullah auf dem Posten des Premierministers und Parteivorsitzes. Doch die Politik der Kooperation mit New Delhi und der Akzeptanz des Status Quo durch seinen Vater war Farooq nicht lange vergönnt. Bei den ebenfalls relativ freien Wahlen von 1983 gewann seine National Conference zwar abermals die absolute Mehrheit (selbst in Jammu 38% der Stimmen), doch bereits 1984 begann die Zentralregierung unter Indira Gandhi den erneuten Versuch einer Instrumentalisierung der National Conference. Die Art und Weise wie New Delhi mit den Interessen der Bevölkerung Kashmirs umging und wie die pakistanische Seite versuchte, politischen Einfluss zu gewinnen, spielte eine große Rolle in den politischen Entwicklungen der 1980er Jahre. 1989 kam es zu Beginn des bewaffneten Widerstandes im Kashmirtal. Dieser erlebte auch bald eine Ausdehnung in die Region bei Jammu. Die Zentralregierung in New Delhi reagierte mit militärischer Härte, und es entwickelten sich bürgerkriegsähnliche Zustände, die vor allem das eigentliche Kashmirtal zu einer der gefährlichsten Regionen der Welt machte.

Schließlich wurden seit 1947 zwei weitere Kriege um Kashmir geführt. Der Konflikt in und um Kashmir besteht aus einem Komplex unterschiedlicher Konfliktlagen, was nachhaltig der bewaffnete Konflikt von pakistanischen und indischen Armeeeinheiten bei Kargil von 1999 offenbarte.
Die Positionen der vielen Gruppierungen innerhalb Kashmirs reichen von Forderungen nach mehr Autonomie (National Conference), über ein unabhängiges Kashmir (wie es mehrheitlich die 1993 gegründete All Party Hurriyat Conference fordert) bis hin zu einem Anschluss an Pakistan (meist von den islamistischen, vom pakistanischen Teil Kashmirs aus operierenden Untergrundorganisationen vertreten – den so genannten Jihadi-Groups). Während es Farooq Abdullah mit seiner National Conference nach einem Wahlboykott der Oppositionsparteien 1996 abermals gelang, Chiefminister zu werden und den Unionsstaat ohne erkennbare Fortschritte zu führen, wendete sich die Stimmung bei den jüngsten Wahlen eindeutig gegen ihn bzw. seinen Sohn Omar, der mittlerweile die Parteiführung von seinem Vater übernommen hat.
Zwar lag die Wahlbeteiligung, vor allem im Kashmirtal, noch immer niedriger als bei historischen Urnengängen (z.B. 1977), doch die neue Koalitionsregierung in Srinagar weiß weit mehr Wähler hinter sich als zuvor die National Conference (Siehe: Wahlanalyse vom Oktober 2002). Die eindeutig externen Versuche politischer Einflussnahmen auf den Himalayastaat haben den Menschen in Jammu & Kashmir ungeheures Leid und bittere Armut beschert. Die Spur einer Hoffnung ist nach den Wahlen von 2002 nur möglich, wenn es der neuen Regierung gelingt, alle Gruppierungen zu integrieren. Das scheint jedoch immer noch weder in New Delhi noch in Islamabad ernsthaft gewollt zu sein.

Anmerkung Zunehmende Proteste der Bevölkerung seit Ende der 1920er Jahre gegen die als ungerecht empfundene Herrschaft der Dogra-Maharajas führten 1932 zur Gründung einer politischen Organisation: Der nationalen Bewegung der All Jammu and Kashmir Muslim Conference. Sheikh Abdullah war ihr erster Vorsitzender. 1938 kam es jedoch zur Abspaltung der konfessionell orientierten Muslime unter Mirwaiz Jusuf Shah. Daraufhin gründete Sheikh Abdullah die eher als sozialrevolutionär-nationalistisch einzuordnende Partei Jammu & Kashmir National Conference. Durch Abdullahs ähnliche politische Vorstellungen mit Jawaharlal Nehru kam es damals auch zur Annährung beider und guten Beziehungen.